Das Leben und Werk Bertolt Brechts stand in diesem Jahr im Mittelpunkt des Lyrikwettbewerbs „Wortsegel“, der zum 11. Mal von der Gemeinde Tholey ausgerichtet wurde. Mehr als 200 Schüler und Schülerinnen von Klassenstufe 3 -12 nahmen in diesem Jahr an dem Wettbewerb teil, der u.a. auch vom saarländischen Ministerium für Bildung und Kultur unterstützt wird.

Mit großer Begeisterung beteiligten sich auch Schüler und Schülerinnen der Grundschule St. Michael im Anschluss an einen vorbereitenden Workshop über Bertolt Brecht und sein Werk an dem Wettbewerb. So gehörte am Ende Fenja Augustin (Klasse 3a) zu den Preisträgern: Mit ihrem Gedicht „Aus dem Krieg geflohen“ erreichte sie in der Altersgruppe der Dritt- und Viertklässler einen zweiten Platz. Ausgehend von dem Zitat Brechts „Ich bin nicht gern, wo ich herkomme, ich bin nicht gern, wo ich hinfahre“ vergleicht sie ihre eigene Lebenssituation mit der eines Flüchtlingskindes. Dafür erhielt sie ein Preisgeld von 100 € und 300 € für die Klassenkasse. Die Gedichte von Maya Fritz (Klasse 4a) und der Vorjahressiegerin Annika Quinten (Klasse 4a) wurden ebenfalls in die Wettbewerbsbroschüre aufgenommen. Sie erhielten einen Gutschein über 10 € für das Schaumbergbad in Tholey.

Zu diesem großartigen Erfolg gratuliert die Schulgemeinschaft der Grundschule St. Michael herzlich!

Aus dem Krieg geflohen

 

Ich kenne ein Kind,

das ist in meiner Klasse,

es kennt diese Sprache nicht,

es ist nicht gern,

wo es herkommt

dort ist Krieg

es ist nicht gern,

wo es hinfährt,

dort ist es fremd.

Ich bin gerne,

wo ich herkomme,

hier herrscht Frieden.

Ich bin gerne,

wo ich hinfahre,

ich freue mich auf mein Zuhause.

Das Kind findet keinen Anschluss,

hat keine Freunde,

ist ganz allein…

Ich habe Freunde,

finde sehr schnell Anschluss,

ich spreche unsere Sprache.

Ich bin ein glückliches Kind!

Wird das fremde Kind

jemals glücklich sein?

Fenja Augustin

In Deutschland

 

Ich kam aus Syrien.

Ich ging nach Deutschland.

Floh vor Krieg und Gewalt.

In eine andere Welt.

 

Nun steh ich in einer grauen Welt.

Ohne Farben.

Ohne Licht.

Und komm mir vor,

als wär ich unsichtbar.

 

Werde von allen übersehen.

Werde von allen ausgegrenzt.

Mein Zuhause ist woanders.

Dort ist jedoch Krieg.

 

Ich war gern, wo ich herkomme.

Ich bin nicht gern, wo ich hinging.

 

Doch leider kann ich nicht mehr zurück.

Nicht mehr in meine Heimat.

Nicht mehr zu meiner Familie.

Werde ich sie denn je wiedersehn?

 

Werde ich mich jemals hier zurechtfinden?

Werde ich jemals Freunde hier finden?

Werde ich hier jemals glücklich sein können?

Ich weiß es nicht.

 

Maya Fritz

Großstadt

 

Der Schatten der Hochhäuser

spiegelt sich auf der grauen Straße.

Es gibt keine Farben mehr,

nur noch fantasieloser, grauer Beton.

 

Mein Herz ist so trüb wie die Wolke der Nacht.

Und heimatlos!

 

Alle schauen stur geradeaus

und folgen ihren Wegen,

schauen niemals zurück,

reden niemals mit einem, gehen zu ihrem Ziel.

 

Mein Herz ist trüb wie die Wolke der Nacht.

Und heimatlos!

 

Ich weiß nicht wie ich hier wieder herauskomme

aus dieser farblosen Welt

Die Sonne kommt nie durch

nie durch die finsteren Wohnungen hindurch

niemals

 

Annika Quinten